Hier der weitere Bericht der Schülerinnen:
Nun durften wir das beheizte Foyer des Amtsgerichts betreten, bis wir schließlich eine Kaffeetasse später erfuhren, dass wir in das nahe gelegene Landgericht umziehen mussten.
Dort wurden wir von einer Richterin empfangen, die uns über die Inhalte der jeweiligen Prozesse informierte. Sie erklärte uns, dass es sich um Revisionsverfahren handele (neu verhandelte Verfahren). Anschließend hatten wir die Möglichkeit ihr Fragen zu stellen, über die wir uns im Politikunterricht Gedanken gemacht hatten. Zum Beispiel hat uns das Verhalten während einer Verhandlung interessiert. Nun wurden wir von ihr zum Sitzungssaal geführt, wo schon der erste Prozess auf uns wartete. Es ging um einen Mann, der sein Mofa „frisiert“ hatte und somit nicht berechtigt war, dieses Fahrzeug zu fahren. Die bestehende Strafe änderte sich nur geringfügig.
Bei der nächsten Verhandlung wurden wir im Voraus informiert, dass es sich um eine Körperverletzung handelt. Also erwarteten wir einen eher jüngeren Mann mit einem Überschuss an Kraft. Doch zu unserer Überraschung kam ein über 70-jähriger alter Mann, der beschuldigt wurde, seinen etwas jüngeren Nachbarn wegen eines Grundstückstreites unter anderem körperlich angegriffen zu haben. Der ältere Herr machte einen leicht verwirrten Eindruck und war kaum in der Lage, sich sinnvoll zum Thema zu äußern. Das unglaubwürdige Verhalten des Angeklagten ließ selbst beim vorsitzenden Richter eine gewisse Verzweiflung erkennen. Die ursprüngliche Strafe wurde auf 1800€ verlegt und in seinen letzten Worten mahnte der Richter den Angeklagten, den Rest seines Lebens friedlich zu verbringen.
Beim dritten Fall handelte es sich wieder um einen Verkehrsdelikt hinsichtlich Trunkenheit am Steuer. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, in seinem besagten stark alkoholisierten Zustand, Schlangenlinien in der Ortschaft gefahren zu haben. Während des Prozesses wurde auch sein Beifahrer verhört, welcher sehr zu unserer Unterhaltung mit seinem augenscheinlich leicht alkoholisierten Zustand beitrug. Mit der Ausrede, dass ihm des Öfteren etwas entfallen würde, begründete er seine Unwissenheit bezüglich seines Alters, was für ein Kichern in den Zuschauerreihen sorgte.
Ein weiterer Fall, indem es sich um einen Betrug handelte, wurde auf Grund der Abwesenheit des Anwalts, welcher in einen Stau geriet, nicht mehr während unseres Aufenthalts verhandelt.
Nun hatte man uns alle Illusionen von diversen Gerichtsshows genommen und wir begaben uns in einen nahe gelegenen Schulungsraum, indem uns eine sehr liebenswürdige Anwältin empfing, um uns juristische Fragen zum Beruf des Anwalts zu beantworten. Zu unserer großen Freunde standen auch Kekse und Gummibärchen bereit. die zu unserem seelischen Wohlbefinden beitrugen. Brennend interessierten uns natürlich das Gehalt eines Anwalts, sowie die Studiendauer (Jura). Als uns dann auch die Fragen beantwortet wurden, entließ man uns in die Stadt. Ob man nun heimfuhr oder den interessanten Tag mit einer Shoppingtour beendete war jedem selber überlassen.
Im Großen und Ganzen war es eine willkommene, sowie sehr lehrreiche Abwechslung zum Schulalltag, die eine Menge Spaß bereitete.
Angelina Dmitriev, Anna Neurohr, Wiebke Kopmeier 4.03.09