Sie sind hier: Fächer&AGs » Gesellschaftswissenschaften » Geschichte » Zeitzeuge am THG
Zeitzeuge am THG

Auch die Klasse 10 b des Theodor-Heuss-Gymnasiums beschäftigte sich im Geschichtsunterricht über mehrere Stunden hinweg mit dem Schicksal Millionen Deutscher, die seit 1944/45 aus den ehemaligen Ostgebieten flüchteten bzw. vertrieben wurden. Hierbei wurde auch der Blick über den Tellerrand hinaus auf die Vertreibung der polnischen Bevölkerung sowie heutige Emigrantenschicksale gerichtet. Den Abschluss der Unterrichtsreihe bildete am 23. Juni ein Besuch des Zeitzeugen Siegmund Baller aus Sulzbach. Herr Baller stand den Schülern zwei Stunden Rede und Antwort und berichtete von seinen Erlebnissen während der Flucht bzw. Vertreibung. Im Alter von 14 Jahren flüchtete er zunächst Anfang 1945 mit seiner Familie und etlichen Freunden und Nachbarn aus seinem Heimatort Rummelsburg/Miastko in Pommern vor der heranrückenden Roten Armee. Von dieser eingeholt und wieder in den Heimatort zurückgeschickt, wurden die Ballers kurze Zeit später von den Polen, die die Verwaltung inzwischen übernommen hatten, vertrieben. Herr Baller gab den Schülern einen Einblick in die näheren Umstände der Vertreibung. Seine Erläuterungen reichten von den Transportmitteln über die Nahrungsbeschaffung bis hin zur Behandlung durch die polnischen Offiziellen. In diesem Zusammenhang berichtete Herr Baller sowohl von gewaltsamen Übergriffen auf die Zivilisten, aber auch von oftmals humaner Behandlung, insbesondere gegenüber den Kindern. Dabei war er stets darauf bedacht, die Übergriffe in den Gesamtkontext einzuordnen und sie als zwar keineswegs rechtfertigende, aber nachvollziehbare Reaktionen auf zuvor von Deutschen begangene Untaten zu erklären. Die Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, dürften sich nicht wiederholen und die heutige Generation müsse aus der Geschichte lernen und den Weg der Versöhnung weiter intensivieren, betonte der Zeitzeuge.
Nach etlichen Zwischenstationen landeten die Ballers schließlich in Thüringen. Hier verblieb Herr Baller bis ins Jahr 1957, als er aus der DDR in den Westen flüchtete und nach mehreren Stationen schließlich im saarländischen Sulzbach landete, wo er als Lehrer arbeitete und mehrere Jahre als Schulleiter der dortigen Realschule fungierte.

Das Zeitzeugeninterview wurde von den Schülern sehr positiv aufgenommen. Dankenswerterweise erklärte sich Herr Baller bereit, den Schülern des THG auch in Zukunft Rede und Antwort zu seiner persönlichen Flucht und Vertreibung zu stehen.

Rüdiger Groß, Fachlehrer Geschichte

Sie sind hier: Fächer&AGs » Gesellschaftswissenschaften » Geschichte » Zeitzeuge am THG